Andacht

Der Rebekka-Brunnen an der Dreikönigskirche

Auf der Westseite der Dreikönigskirche öffnet sich ein kleiner baumbestandener Platz zur Königstraße hin und lädt zum Verweilen ein.

Dieser ist im 19. Jahrhundert entstanden. Mit Abschluss der Bauarbeiten am Turm der barocken Dreikönigskirche (1732-1739) im Jahr 1857 sollte der Bereich vor der Turmfassade repräsentativ gestaltet werden. Alte Gebäude wurden abgerissen und 1863 auf der neuen Freifläche ein Brunnen errichtet.

Auf einem runden dreistufigen Podest steht ein rechteckiges Sandsteinbecken. Meeresungeheuer speien Wasser in Muschelschalen. Eine mit Delphinen verzierte teilweise gusseiserne Säule in der Mitte des Brunnens trägt eine hohe Frauenfigur.

Die schreitende Figur ist mit einem einfachen Gewand bekleidet. Sie trägt auf dem Kopf ein Gefäß, das sie mit der linken Hand stützt. Mit der rechten rafft sie ihr Gewand leicht nach oben. Aufgrund des Wassertrage-Motivs wird sie als biblische Rebekka gedeutet, die als beliebtes Sujet in der bildenden Kunst gilt.

Der Brunnen hinter der Dreikönigskirche, der den Bewohnern auf der Neustädter Elbseite über viele Jahre Wasser spendete, wurde 1945 teilweise zerstört. Die Brunnenfigur war seit ungefähr 1952 verschollen. Im Zuge der Restaurierung des Brunnens in den 1990er Jahren wurde durch Michail Boleslav Karlowski eine Rekonstruktion der Rebekka geschaffen. Damit ist das Bauwerk wieder in seiner ursprünglichen Gestalt erlebbar.

Text: Angelika Salmen, Historikerin M.A. | Foto: https://commons.wikimedia.org, CC0 1.0


Liebe Rebekka,
Wasser hast Du geschöpft - flink und geschickt!
Entschlossen stiegst Du zur Quelle hinab, fülltest fröhlich den Krug und trugst ihn auf Deiner Schulter wieder herauf.

Wasser hast Du geschöpft - und weitergereicht!
Für den Reisenden, der am Brunnen rastete und Dich bat, „Gib mir zu trinken.“. Du sahst den Durst auch seiner niedergeknieten Kamele - und gossest es weiter in die Tränke der Tiere.

Wasser hast Du geschöpft – wie oft bis Du gelaufen?
Zehn Kamele zu versorgen mit Wasser ohne Verschnaufen, bis sie nicht etwas, sondern genug getrunken haben und sich dann wieder lagern. Wie lange dauert das? - Unerwartete Begegnung am Brunnen, welche Dir tüchtige Arbeit beschert!

Wasser hast Du geschöpft – dem Fremden zu Hilfe zu eilen, es könnte Gott im Gaste weilen!
Tust klug, was Dein Elternhaus Dich lehrte. Handelst ausdauernd, ehrfürchtig aus freien Stücken, ohne die Tradition zu verrücken. Gibst - und ahnst noch nicht, dass Du gleich nehmen wirst können!

Wasser hast Du geschöpft – und wurdest geehrt mit kostbarem Schmuck!
Kraftvoll gebaut, schön, Gott vertrauend und rein bewegst Du Dich in Deine Arbeit hinein, lässt würdevoll Gebet sie sein! Der zuschauende Fremde wird es gewahr:

Quellwasser aus der Tiefe – tief erkennend merkt er bei sich - er wählt und wirbt um Dich: Ehefrau für den Sohn seines Herrn im verheißenen Land, sogar aus dem gleichen Stamm! Das - wartet auf Dich!

Ein Ring für Deine Stirn, zwei goldene Armreifen für deine Hände. Geschenk! Du nimmst es entgegen; er fragt nach Herberge in Deines Vaters Haus! Du erzählst vom Raum für Menschen und Tiere.

Deine Familie lädt die Karawane ein. Am Abend in Deiner Mutter Haus spricht der Abgeordnete sein Anliegen aus. Erzählt von göttlicher Führung, Zeichen und erhörtem Gebet. Alle Schweigen.

„Das kommt vom Herrn“. Das jedoch sagen sie gern. Eilig hat’s nun der edle Knecht. Am nächsten Morgen schon will er zurück: Der Isaak wartet auf sein Glück.

Rebekka, wie erging es Dir? Deiner Familie war es doch etwas viel, so schnell als Braut Dich ziehen zu lassen an ungewissen, wenn auch verheißenen Ort. Sie zögern hinaus, der Knecht aber drängt: Gott geht uns voraus! Sie wollen Dich nun zur Sache befragen!

Natürlich hast Du selbst etwas dazu zu sagen! Du wusstest, eine Rückkehr zur Heimat würde kaum sich ergeben. Aber Du hattest Gottes und der Familie Segen: „Du unsere Schwester, wachse zu vieltausend mal tausend …“. Eine der Erzmütter Israels wirst Du später genannt.

Wasser hast Du geschöpft, weitergereicht!
Und mit einem „Ja, ich will es“ brichst Du auf in ein neues Land!

Rebekka im Biblischen Buch Genesis 24 ff – Eine meditative Annäherung.
Silvia Ehrlich | Referentin im Reisedienst

 
Nachklang

Rebekka, Du kannst mir das Wasser reichen!
*
Für heute will ich mein Meditieren beenden.
Ich staune, wie Nehmen und Geben sich
aus Gebet vollenden.
Dank Deiner Geschichte – ich sinne still drüber nach – bekommt mein Tun eine neue Qualität. Sie führt mich weiter zum lebendigen Gott!

Herzlich grüßt Dich
eine Referentin der Frauenarbeit im Dreikönigsforum.
*

 
Gebet

Wenn ich arbeite und schwitze und zur Pause manchmal
am Dresdner Brunnenrand sitze, überdenk‘ meine sprudelnde Aktion,
will ich für ein paar Minuten IN DIR, MEIN GOTT, RUH‘N
Du sagst es: „ … denn ohne mich könnt ihr nichts tun“.
(vgl. Johannes 15)
Tränkst mich! Beteiligst mich,
heute Dein Wasser zu verschenken?!